Performatives Zeichnen

Die Sequenz Performatives Zeichnen betont das Verhältnis von Körper und Akt des Zeichnens. Sie wurde über einen Monat im Rahmen eines Praktikums am Vorkurs an der Schule für Gestaltung in Basel durchgeführt. Im Vordergrund steht nicht die Zeichnung als Produkt, sondern der Zeichenprozess und die Verbindung zum Performativen. Dabei sind folgende Fragen zentral:

  • Was bewirkt der Fokus auf das Performative beim Zeichnen?
  • Wie kann sich dadurch der Begriff und das Verständnis von Zeichnung erweitern
  • Inwiefern und welche Rolle spielen Körper, Raum und Zeichenutensilien?
  • Wann (nicht in einem zeitlichen Sinn, sondern von den Voraussetzungen und Begebenheiten her), warum und womit zeichnet man?
  • Was macht man beim Zeichnen und was macht das Zeichnen mit einem?

Als Einstieg in die Sequenz werden alle Körpersinne integriert, um das Bewusstsein und die Auswirkungen des Körpers auf die Zeichentätigkeit zu sensibilisieren. Unsichtbares wie Gerüche oder Geräusche, als auch Gegenstände aus der Vorstellung werden sichtbar gemacht. Die Zeichnungen werden grosszügig auf grossformatigem Papier mit diversen Werkzeugen realisiert.

In einem zweiten Schritt liegt der Fokus direkt auf dem sich bewegenden Körper, der im Raum – selbst das Zeicheninstrument bildend – radikal ephemere „Zeichnungen“ herstellt. Damit diese spurlosen Spuren überhaupt sichtbar werden, werden die Bewegungen mittels Zeichnung dokumentiert: Dokumentation als (Auf-)Zeichnung, Zeichnung als (sichtbarbleibende und -werdende) Spur einer Aktion.

Bevor die Teilnehmenden ihre eigenen künstlerischen Arbeiten und Skizzen zum Thema entwickeln, werden in einem letzten Schritt klassische Bewegungen des Zeichenvorgangs mittels Körperer-weiterungen oder –limitierungen aufgebrochen. Die Arbeit mit Widerständen rückt eine Erweiterung der eigenen Körperwahrnehmung in den Vordergrund und ruft eine forcierte Auseinandersetzung mit dem Akt des Zeichnens hervor.

Zur kunstgeschichtlichen Einbettung werden jeweils Beispiele zeitgenössischer Kunst betrachtet, die mit ähnlichen Mitteln hergestellt wurden oder vergleichbare Inhalte behandeln.

Der sich bewegende Körper im Raum wird als zeichnerischen Vorgang wahrgenommen. Zusammen mit der Zeichnung als Dokumentation dieses performativen Prozesses entsteht ein Ganzes: Die (Auf)Zeichnung von Aktionen und Spuren dokumentiert oder generiert Prozesse – ist also Teil davon – und birgt die Möglichkeit zu einem Artefakt, einem Performance-Relikt zu werden. Nebst anderen Dokumentationsmöglichkeiten wie Fotografie, Video oder Text fängt Zeichnung das Momenthafte, Vergängliche ein und wird als Medium, um etwas direkt festzuhalten, sehr attraktiv.

Die Zeichnung wird über den Zweck der Aufzeichnung hinaus nicht nur als funktionales Medium sondern auch umgekehrt aufgefasst – als Instrument, Prozesse in Gang zu setzen und etwas in Erfahrung zu bringen, mit offenem Ergebnis. Künstlerische Prozesse können durch das Schaffen von Räumen und das Sprengen von aufgestellten Rahmenbedingungen initiiert werden. In diesen werden gemeinsam gemachte Erfahrungen gesammelt, die es ermöglichen im Austausch der eigene künstlerischen Ausdruck zu erforschen. 


Das Projekt wurde eingereicht von Irene Maag, Performance-, Interventionskünstlerin und Kunstvermittlerin. Irene Maag ist seit 1998 mit persönlichen und kollektiven Arbeiten an Performancefestivals und Ausstellungen in der Schweiz und international vertreten. Sie ist Mitbegründerin mehrerer KünstlerInnenkollektive, u.a. der Performancegruppe GABI (1998 – 2005) und im Jahr 2005 des Performancekollektivs Kollabor (www.kollabor.ch).

Kontakt: irene.maag@bluewin.ch

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