Zeichnung von Vegetation in der Architektur

Lernende Zeichner/-innen Fachrichtung Architektur sowie Gärtner und Gärtnerinnen in der beruflichen Weiterbildung üben sich im Zeichnen von Vegetation in der Architektur. Die Lehrperson Silvano Bernetta startet die Aufgabe mit einer zehnminütigen Einleitung an der Wandtafel. In der Einführung wird im drei Schritte-Prinzip aufgezeigt, wie ein Baum gezeichnet werden kann. Zuerst wird die Formfindung des Baumes erklärt. Diese erhält man über das Verhältnis von Stamm zur Baumkrone und über die Silhouette. Anschliessend werden die Blätter, welche der Form des Baumes entsprechen, mit feinen Linien aufgesetzt. Danach wird die Lichtquelle bestimmt. Ebenfalls der Form des Baumes und der Blätter folgend, wird die hell-dunkel Schraffur in einem feinen Verlauf ausgetragen. Der Baum oder die Vegetation soll nicht naturalistisch oder zu aufwendig dargestellt werden. Ziel ist es, die Abstraktion der vielen Details über Schraffur, Form und Proportion nur soweit voranzutreiben, dass die Baumart noch von Fachleuten bestimmt werden kann.

Nach der Einleitung wird ungefähr 60 Minuten unter freiem Himmel, in einem Park oder unter einer Allee, gezeichnet. Die Schülerinnen und Schüler nehmen Unterlagen, Papier (A3), Stuhl, Bleistifte und Radiergummi mit. Nach erfolgtem Einstieg sind acht Bäume zu zeichnen. Bewusst wird auf Quantität gesetzt, denn mit jedem Versuch steigt die Qualität. Zurück im Zimmer werden die Arbeiten ausgelegt, verglichen und besprochen. Wo kann angesetzt, wo kann reduziert werden? Die Lehrperson leistet dabei Hilfestellung. Nun werden die Zeichnungen verfeinert. Beispielsweise indem mit dem Radiergummi modelliert, mit Wasserfarbe lasierend aufgehellt oder mit Farbstiften, Pastellkreide oder Mischtechniken akzentuiert wird. Gleichzeitig wird die Spannung zwischen ausgearbeiteten Stellen und skizzenhaften Bildteilen thematisiert.

Die wichtigste Frage lautet: Wann ist ein Bild fertig? Die Schülerinnen und Schüler arbeiten 3-4 Lektionen an dieser Aufgabe und können zuhause ihre Werke vervollständigen. Wenn es um das Ausarbeiten der Zeichnungen geht, nimmt Silvano Bernetta die Lernenden in Gruppen zusammen. Dabei zeigt er ihnen verschiedene Techniken, zum Beispiel den Umgang mit Wasserfarbe. Dies tut er, damit die Lernenden von ihm abschauen, abzeichnen und nachahmen können. Somit ist die Motivation geweckt, da die Möglichkeiten bekannt sind. Innerhalb eines Moduls werden solche kurzen Einheiten wiederholt und nach Bedarf der Berufsgruppe spezifiziert. Das Üben und Ausprobieren steht im Vordergrund. Über das ständige Üben gelangen die SuS allmählich zu einem eigenen gestalterischen Ausdruck. Zeichner/-innen Fachrichtung Architektur arbeiten intensiver an der Kombination von Vegetation und Architektur, während die Gärtner/-innen länger an der Vegetation und ihrer unmittelbaren Umgebung feilen.

Oftmals bringen die Lernenden Problemstellungen oder Beispiele aus ihrer Berufspraxis mit in den Unterricht. Die Diskussion und Gewichtung zwischen digitalem und analogem Zeichnen wird geführt. Der Zeitdruck in der Arbeitswelt bedingt den Umgang mit digitalen Zeichenprogrammen. Trotzdem verlangt der persönliche Kontakt mit potentiellen Kunden, Bauherren und Geschäftspartnern auch das Beherrschen von analogen Zeichenkenntnissen. Das direkte Festhalten von Ideen und Transportieren von Emotionen findet in der Skizze die tauglichste Betonung. Die Handzeichnung ist mehr als nur Ausdruck der Persönlichkeit. Sie hilft uns beim Denken, Erinnern und Verstehen.


Silvano Bernetta arbeitet als Zeichenlehrer in der Berufsausbildung für Zeichner/-innen Fachrichtung Architektur EFZ und Grafiker/-innen EFZ. Zudem ist er auch als freischaffender Zeichenlehrer in der höheren Fachausbildung (HF, Meister) von Bauberufen (Maler/-in, Gipser/-in und Schreiner/-in) engagiert.

Kontakt: es.bernetta@bluewin.ch

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